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Name, Vorname Boissonnas, François-Frédéric   
Boissonnas, Fred   
Boissonnas & Cie.   
18.06.1858 Genève GE - 17.10.1946 Genève GE
   
GND 122328213
   
Beruf Fotograf, Herausgeber
   
Fotografengattungen Fotograf, Atelierfotograf
   
Bildgattungen Personen, Porträt, Ortsbild, Architektur, Landschaft, Natur, Bergfotografie, Industrie, Sachaufnahme, Werbung, Archäologie, Piktorialismus, Alltag, Reise
   
Arbeitsort(e) Genève GE um 1888 - um 1945
   
Umfeld Mitglied der Fotografenfamilie Boissonnas.
Nachfolger von Henri-Antoine Boissonnas.
Arbeitgeber von Albert Steiner.
Zusammenarbeit mit Denise Toutant.
Sohn von Henri-Antoine Boissonnas.
Bruder von Edmond-Victor Boissonnas.
Vater von Edmond-Edouard Boissonnas, von Henri-Paul Boissonnas und von Paul Boissonnas.
Mitglied von Société genevoise de photographie (1887-).
   
Werdegang Fred Boissonnas wuchs als ältester Sohn von Henri-Antoine Boissonnas auf und wurde von diesem schon früh ins Familienatelier eingeführt. Weiter verbrachte der begabte und optimistische Fred acht Monate in Stuttgart im Studio des Deutsches Fotografen Brandseph in Stuttgart, später auch noch in Budapest beim ungarischen Fotografen Kohler, der die Fähigkeiten des jungen Kollegen schätzte.
Als Fred 1887 das Atelier seines Vaters am Quai de la Poste in Genf übernahm, stieg der Umsatz des bereits blühenden Geschäfts in drei Jahren um das Doppelte. Noch in den 1890er Jahren erhielt er mehrere Preise an Ausstellungen, so eine Goldmedaille in Bern, und an den Weltausstellungen in Wien und Chicago. An der Schweizerischen Landesausstellung 1896 in Genf, an der das Atelier mit einem eigenen Pavillon vertreten war und dessen berühmteste Fotos ausstellte, erhielt er ebenfalls eine Goldmedaille. Zusätzliche Höhepunkte waren das sogenannte «Cyclorama» sowie zwei Alben des «Village suisse» mit Fotos von Fred Boissonnas, von dem mehrere Tausend Exemplare verkauft wurden. Die Beteiligung an der Weltausstellung in Paris 1900 brachte Fred Boissonnas eine erneute Würdigung seiner Verdienste und zusätzlich einen «Grand Prix» ein.
Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts brachten Fred Boissonnas eine Expansion des Geschäftes und ein Anwachsen des Renommees. Er eröffnete Filialen in Paris, Reims, Lyon, Marseille und St. Petersburg, die aber nicht alle einträgliche Geschäfte brachten.
1903 reiste er mit dem Schriftsteller Daniel Baud-Bovy ein erstes Mal nach Griechenland, um, ausgestattet mit Geldmitteln des schottischen Lord Napier, den Parnass zu fotografieren.
1905 wurde Fred Boissonnas Fotograf der «Fête des Vignerons».
1907 reiste er wiederum nach Griechenland und besuchte im Anschluss auch Ägypten. Im Oktober fotografierte er die Akropolis für einen Auftrag des Genfer Verlegers Eggimann über die athenischen Bauwerke. Über die Fahrt ein Jahr später quer durch Italien nach Griechenland veröffentlichte er das Buch «En Grèce par monts et par vaux» (1910) mit Texten seines Freundes Daniele Baud-Bovy. Bis zum Ersten Weltkriege folgten weitere Reiseaufträge (1911, Kreta und Kykladen; 1913, Griechenland; 1912, Türkei), 1913 bestieg der erfahrene Bergsteiger mit seinem Schriftstellerfreund den Olymp ein erstes und 1928 als Führer von etwa dreissig Journalisten ein zweites Mal.
1919 gründete Fred Boissonnas den Verlag Boissonnas S.A. und stellte Baud-Bovy als Geschäftsführer ein. In den 1920er Jahren verliess er Genf und zog nach Paris, wo er sich im alten Atelier von Cherry-Rousseau niederliess und eine gebildete Kundschaft porträtierte. In diesen Jahren brachen die geschäftlichen Erfolge zunehmend ein. 1920 übernahm im Genfer Atelier zunächst der Sohn Edmond-Edouard die Nachfolge, von 1924 bis 1927 Henri-Paul. Fred Boissonnas scheiterte gleich mit zwei Buchprojekten. Ein luxuriöser Bildband über Ägypten, lanciert vom Genfer Ingenieur Paul Trembley und der finanziellen Hilfe von König Fouad I., wurde ebenso zum Flop wie die Publikation über den Sinai 1930 («Le Miracle du lac des Joncs»), für die er nicht einmal einen Verlag fand. Fred Boissonnas musste seinen Familienwohnsitz «Les Mayens» und das Atelier in Paris verkaufen.
Das Atelier in Genf, das sein Sohn Paul ab 1927 übernahm, wurde 1938 vom Quai de la Poste an die Passage des Lions verlegt. Fred Boissonnas starb 1946, sechs Jahre nach seiner Frau. Seine Erinnerungen hielt er in einer Familienchronik fest.
   
Schaffensbeschrieb Fred Boissonnas kann wegen der technischen und ästhetischen Qualität seiner Aufnahmen, der Vielfalt der Gattungen, aber auch wegen des geschäftlichen Erfolgs, zu den ersten grossen Persönlichkeiten der Schweizerischen Fotografie gerechnet werden. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Atelierfotograf, der seine Kundschaft in einem perfekt ausgerüsteten Studio ablichtete, auch im Freien fotografierte er brillant. Mit den riesigen Platten, die sein Bruder Edmond-Victor produzierte, und mit einem «Téléphot», einen Vorläufer des Teleobjektivs, realisierte Fred Boissonnas anfangs der 1890er Jahre eine aussergewöhnliche Aussicht vom Mont-Blanc, die ihn über Europa hinaus berühmt machte. Er reiste viel, insbesonders nach Griechenland, das er in mehreren Büchern mit Texten von Daniel Baud-Bovy thematisierte.
   
Bestände (Name, Zeitraum) Allgemeine Sammlung,   Institution: Museum für Kommunikation
Archives photographiques de l'institut Jaques-Dalcroze,   Institution: Institut Jaques-Dalcroze
Centenaire vaudois et Festival vaudois 1903,   Institution: Archives cantonales vaudoises
Cerjat II (famille de),   Institution: Archives cantonales vaudoises
Collection spéciale de photographies 1,   Institution: Archives Historiques Nestlé
Photographie du Fonds Jeanmaire,   Institution: Château et musée de Valangin
Photographies Chemins de fer et bus,   Institution: Transports régionaux Vallée-de-Joux-Yverdon-les-Bains-Ste-Croix
Sammlung Fotoporträts,   Institution: Schweizerische Nationalbibliothek - Graphische Sammlung / Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege
Sammlung Heinrich Brockmann-Jerosch,   Institution: Schweizerisches Institut für Volkskunde
Sammlung Herzog (Allg. Sammlung),   Institution: Schweizerisches Nationalmuseum
Verrey (Pierre),   Institution: Archives cantonales vaudoises
   
Primärliteratur Fatio, Guillaume: Autour du lac Léman, Genève 1902.
Boissonnas, François-Frédéric: Alfred Boissonnas 1896-1904, Genève 1905.
Gos, François; Gos, Emile & Boissonnas, Fred: Zermatt et sa Vallée, Genève 1925.
Gos, François; Gos, Emile & Boissonnas, Fred: Zermatt and its Valley, Geneva 1926.
Gewerbemuseum Basel: Die neue Fotografie in der Schweiz, Basel 1933.
Trimli, Thomas (Hg.): Das Buch vom Roten Kreuz. Das Rote Kreuz von den Anfängen bis heute, Zürich 1944.
   
Sekundärliteratur Boissonnas, Frédéric, in: Sikart, 2011, Stand März 2014, www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=12584019&lng=de .
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Bieri, Susanne; Heuser, Mechthild (Hg.): Vom General zum Glamour Girl. Ein Porträt der Schweiz, Basel, Schwabe 2005.
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Breguet, Elisabeth: 100 ans de photographie chez les Vaudois. 1839-1939, Lausanne, Payot 1981.
Gasser, Martin (Hg.): Bilderstreit. Durchbruch der Moderne um 1930, Zürich, Limmat 2007.
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Einzelausstellungen 1997, Lausanne, Musée de l'Elysée, Fred Boissonnas. Le village suisse (1896).
1998, Lausanne, Musée de l'Elysée, Fred Boissonnas. Leysin, la montagne magique.
   
Gruppenausstellungen 1896, Genf, Schweizerische Landesausstellung.
1933, Basel, Gewerbemuseum, Die neue Fotografie in der Schweiz (Wanderausstellung des Schweizerischen Werkbundes).
1982, Zürich, Schweizerische Stiftung für die Photographie, Les Boissonnas.
1985, Lausanne, Musée Cantonal des Beaux-Arts, L'autoportrait à l'âge de la photographie: Peintres et photographes en dialogue avec leur propre image, Wanderausstellung.
1986, Lausanne, Musée de l'Elysée, Les années difficiles. 1919-1939.
1990, Lugano, Galleria Gottardo, Ritratti d'autore.
1994, Zürich, Schweizerisches Landesmuseum, Im Licht der Dunkelkammer. Die Schweiz in Photographien des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Herzog.
2002, Bienne, Centre Pasquart und Photoforum, Photographie «à la carte». Un festival et douze institutions photographiques suisses.
2007, Winterthur, Fotostiftung Schweiz, Bilderstreit. Durchbruch der Moderne um 1930.
2009, Zürich, Landesmuseum, Aufbruch in die Gegenwart. Die Schweiz in Fotografien 1840-1960.
2011, Lausanne, Musée de l'Elysée, [Contre]culture / CH.
2013, Liestal, Kunsthalle Palazzo Liestal, Natur? Schweizer Fotografie 1870 bis heute.
   
AutorIn Nathalie Dietschy, Marc Herren
   
Bearbeitungsdatum 06.03.2014