FotografIn

 
Name, Vorname Durheim, Carl   
Durheim, Charles   
Durheim, Karl   
23.11.1810 Bern BE - 30.01.1890 Bern BE
   
GND 120617641
   
Heimatort Bern BE
   
Beruf Lithograf
   
Fotografengattungen Atelierfotograf, Wanderfotograf
   
Bildgattungen Personen, Porträt, Ortsbild, Landschaft, Kriminologie
   
Arbeitsort(e) Bern BE 1845 - 1873
Burgdorf BE um 1848 -
Berner Oberland BE 1849 -
Frankfurt a. M. DEU 1849 - 1850
Aachen DEU 1853 -
Bern BE 1883 -
   
Umfeld Vorgänger von Karl jun. Durheim und C. Gilli (1868) und von Gustav Bär (1873) und Christian Schalch (um 1884).
Unterricht bei Louis Lamouche und Jacob Wothly.
Arbeitgeber von C. Gilli.
Zusammenarbeit mit Adrian Kümmerli und vermutlich mit William Moritz.
Vater von Karl jun. Durheim.
Mitglied SAC.
   
Werdegang Carl Durheim kam 1810 als uneheliches, aber legitimiertes Kind von Karl Jakob Durheim zur Welt und wuchs an verschiedenen Orten im Kanton Bern auf. 1850 heiratete er die Truberin Anna Barbara Wüthrich.
In Paris absolvierte Durheim 1827 bis 1828 seine Ausbildung zum Lithografien und war als solcher in Bern von 1835 bis 1837 in einem eigenen Atelier tätig. Die folgenden Jahre verbrachte er im Ausland. In Turin sah er 1839 ein unfixiertes Papiernegativ, in Paris 1841 erstmals eine Daguerreotypie. In Bern, wo er seit 1841 wieder als Lithograf arbeitete, erlernte er 1845 von Louis Lamouche das Daguerreotypieren. In der Folge übernahm Durheim laufend die neuen fotografischen Entwicklungen und etablierte sich in seiner Heimatstadt als erfolgreicher Fotograf. Er beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen und gewann verschiedene Auszeichnungen.
Das Lithografie-Atelier, in dem 1850 die ersten eidgenössischen Postmarken gedruckt wurden, liess Durheim von den Angestellten führen und gab es 1864 ganz ab. 1849 führte er das Salzpapierverfahren ein, 1853 das nasse Kollodiumverfahren, das er in Aachen bei Jacob Wothly erlernt hatte. 1855 bot er auch Stereoaufnahmen an. Für die Kolorierung von Salzpapier-Fotografien arbeitete er mit einem Maler, vermutlich Heinrich Fischer, zusammen. 1858 stellte er Pannotypien her und begann im gleichen Zeitraum mit Albuminabzügen und der Produktion von Cartes de visite.
Durheim war mehrmals bei der Herausgabe von Druckwerken nach Fotografien beteiligt. 1855 gab er zusammen mit Adrian Kümmerli das Blatt «Ansicht der Stadt Burgdorf» heraus, das nach Salzpapier-Aufnahmen lithografiert wurde. 1859 lithografierte er für seinen Vater Karl Jakob Durheim die Tafeln zum Band «Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Bern und seiner Umgebungen», teils nach grafischen Vorlagen, teils nach eigenen Daguerreotypien.
1860 und 1861 trat er als Veranstalter von Vorstellungen mit gemalten und fotografierten Nebelbildern («Dissolving Views») in Theatern von Bern und Fribourg auf. 1868 übergab Carl Durheim das Atelier an seinen Sohn Karl und C. Gilli. Die beiden trennten sich jedoch nach einem halben Jahr wieder und Carl Durheim führte das Atelier noch einige Jahre weiter. 1873 übergab Durheim das Atelier an Gutav Bär, half 1883, als ein Nachfolger fehlte, noch einmal kurz aus.
Carl Durheim war ein begeisterter Alpinist. Im schweizerischen, italienischen und französischen Alpenraum bestieg er zwischen 1843 und 1882 zahlreiche Gipfel, darunter 4000er wie die Jungfrau, den Mont Blanc oder den Monte Rosa. Im Juli 1876 bestieg er als Erster den Lohner (Grosslohner) im Berner Oberland.
   
Schaffensbeschrieb In Bern als erster sesshafter Fotograf tätig, hielt sich Durheim als Wanderfotograf aber auch ausserhalb auf, so etwa wiederholt in Burgdorf um 1848 oder im Berner Oberland 1849. Im Geschäft in Bern, das er mehrmals verlegte und ab 1853 als Tageslicht-Atelier anpries, waren in erster Linie Porträts gefragt, die er gemäss dem technischen Stand als Daguerreotypien, Salzpapierfotos, Ambro- und Pannotypien oder auch Stereoaufnahmen ausführte. Ab ungefähr 1857 begann er mit der Herstellung von Cartes de visite.
Eine spezielle Art der Personenfotografie stellen Durheims Aufnahmen von Heimatlosen von 1852-1853 dar. In reproduzierter Form waren die Salzpapier-Aufnahmen das erste Fahndungsbuch weltweit.
Weiter sind von Durheim zahlreiche Ortsbilder und Landschaften bekannt. In Bern dokumentierte er beispielsweise die ersten eidgenössischen Verwaltungsgebäude, aus Burgdorf stammt eine kleine Anzahl von Stadt-Ansichten und in Aarberg fotografierte er unmittelbar nach dem Brand 1858.
   
Auszeichnungen und Stipendien 1855, Paris, Weltausstellung, Medaille II. Klasse.
1857, Bern, Dritte Schweizerische Industrieausstellung, Kupfermedaille (Wolkenbilder).
   
Bestände (Name, Zeitraum) Fluri, Adolf (Nachlass),   Institution: Burgerbibliothek Bern
Heimatlosenporträts (CH-BAR#E21*, Polizeiwesen),   Institution: Schweizerisches Bundesarchiv
Sammlung Rittersaalverein Burgdorf im Schlossmuseum,   Institution: Schlossmuseum Burgdorf
Allgemeine Fotosammlung,   Institution: Burgerbibliothek Bern
Allgemeine Porträtsammlung,   Institution: Kantonsbibliothek Vadiana
Daguerréotypes, ferrotypes,   Institution: Musée Suisse de l'appareil photographique
Durheim, Carl,   Institution: Bernische Stiftung für Foto, Film und Video im Kunstmuseum Bern
Fotosammlung der Geschwister Cécile und Eduard von Rodt,   Institution: Burgerbibliothek Bern
Sammlung Herzog (Allg. Sammlung),   Institution: Schweizerisches Nationalmuseum
   
Primärliteratur Guggenbühl, J.: Die Heilung und Verhütung des Cretinismus und ihre neuesten Fortschritte, Bern, St. Gallen 1853.
Bericht über die dritte Schweizerische Industrieausstellung, Bern 1857.
Durheim, Karl Jakob: Historisch-topografische Beschreibung der Stadt Bern und ihrer Umgebungen, mit Rückblicken auf ihre frühern Zustände nebst einer Berner Chronik oder chronologischen Verzeichnis der merkwürdigen Begebenheiten aus der Geschichte Berns, Bern 1859.
Durheim, Carl: Verzeichnis mit Erklärung der mechanisch-physikalischen Nebelbilder (Dissolving Views), Bern 1860.
Durheim, Carl: Berg- und Gletscherfahrten in den Berner Alpen, Bern 1877.
   
Sekundärliteratur Allgemeines Adress-Handbuch ausübender Photographen von Deutschland, den österr. Kaiserstaaten, der Schweiz und den Hauptstädten der angrenzenden Länder, Leipzig 1863.
Durheim, Karl, in: Sikart, 2016, Stand August 2016, www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4030706&lng=de .
Anonym: Frühzeit der Photographie, in: Schweizer Radio-Zeitung, 1937, Jg. 14, Nr. 24, 12. Juni, 10-11.
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Einzelausstellungen 1998, Bern, Museum für Kommunikation, Wider das Leugnen und Verstellen. Carl Durheims Fahndungsfotografien von Heimatlosen 1852/53.
1998, Winterthur, Fotomuseum, Wider das Leugnen und Verstellen. Carl Durheims Fahndungsfotografien von Heimatlosen 1852/53.
   
Gruppenausstellungen 1846, Bern, Schweizerische Kunstausstellung.
1848, Bern, 2. Schweizerische Gewerbe- und Industrieausstellung.
1854, Bern, Casino, Schweizerische Kunstausstellung (Wanderausstellung).
1854, Bern, Schweizer Kunstverein, Schweizerische Kunstausstellung.
1855, Paris, Exposition Universelle.
1857, Bern, 3. Gewerbe- und Industrieausstellung.
1923, Bern, Schweizerisches Gutenbergmuseum, Die Anfänge der Daguerreotypie und der Photographie in Bern (1836-1870), veranstaltet von Herrn Dr. A. Fluri, Seminarlehrer in Bern.
1974, Zürich, Schweizerische Stiftung für die Photographie, Kunsthaus Zürich, Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute (Wanderausstellung).
1977, Zürich, Schweizerische Stiftung für die Photographie im Kunsthaus Zürich, Malerei und Photographie im Dialog von 1840 bis heute.
1979, Köln, Josef-Haubrich-Kunsthalle, In unnachahmlicher Treue. Photographie im 19. Jahrhundert. Ihre Geschichte in den deutschsprachigen Ländern.
1986, Bern, Kunstmuseum, Mit erweitertem Auge. Berner Künstler und die Fotografie.
1994, Zürich, Schweizerisches Landesmuseum, Im Licht der Dunkelkammer. Die Schweiz in Photographien des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Herzog.
1998, Schwyz, Forum der Schweizer Geschichte, Schweizerisches Landesmuseum, Seitenblicke. Die Schweiz 1848 bis 1998. Eine Photochronik (Wanderausstellung).
2000, Bern, Kunstmuseum, Fotografie im Emmental. Idyll und Realität.
2001, Burgdorf, Rathaus, Frühe Fotografie in Burgdorf. 1839-1875. Carl Daut, Carl Durheim, Hugo Kopp, Arnold Meyer, Franz Xaver Rühl u.a.
2007, Winterthur, Fotostiftung Schweiz, Lichtspuren. Daguerreotypien aus Schweizer Sammlungen 1840 bis 1860.
2009, Zürich, Schweizerisches Landesmuseum, Aufbruch in die Gegenwart. Die Schweiz in Fotografien 1840-1960.
2016, Bern, Kornhausforum, Carl Durheim. Wie die Fotografie nach Bern kam.
   
AutorIn Markus Schürpf
   
Letzte Aktualisierung 26.02.2018