Photographe

 
Nom, Prénom Bosshard, Walter   
08.11.1892 Samstagern ZH - 18.11.1975 Ronda ESP
   
GND 118513869
   
Lieu d'origine Hirzel ZH
   
Profession Lehrer, Unternehmer, Handelsreisender, Fotoreporter
   
Domaines Photographe, Reporter-photographe
   
Genres Personne, Reportage, Photojournalisme, Portrait, Photographie de montagne, Photographie aérienne, Ethnologie, Vie quotidienne, Voyage
   
Contexte Ausbildung bei Herbert Rüedi (Kurzlehrgänge Film & Fotografie sowie Assistenz, 1925).
Mitarbeiter Zürcher Illustrierte.
   
Carrière Walter Bosshard absolvierte eine Ausbildung zum Primarlehrer und besuchte danach von 1912 bis 1914 Vorlesungen an den Universitäten Zürich und Florenz, vor allem in Kunstgeschichte. Er musste jedoch seine Studien bei Kriegsausbruch abbrechen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war er als Lehrer in Feldmeilen tätig und leistete Militärdienst im Tessin.
1919 reiste er nach Sumatra, wo er auf einer Kautschukplantage arbeitete. Ab 1920 versuchte er dann in Siam (heute Thailand) ein Handelsunternehmen aufzubauen. In den folgenden zwei Jahren bereiste Walter Bosshard Asien, um Handelsbeziehungen zu knüpfen. Auf seinen Reisen fotografierte er stets ausgiebig, knüpfte als freier Mitarbeiter Kontakte zur Presse und veröffentlichte erste Bilder und Artikel, unter anderem in der «Schweizer Illustrierten Zeitung» und in der «Neuen Zürcher Zeitung».
Einen Europaaufenthalt 1925 nutzte er, um sich fotografisch und filmerisch weiterzubilden. Er besuchte Foto- und Filmkurse in München und bei Herbert Rüedi, als dessen Assistent er unter anderem in Rom arbeitete und mit dem er im Vatikan fotografierte.
Von 1927 bis 1928 nahm Walter Bosshard an der Zentralasien-Expedition von Emil Trinkler und Hellmut de Terra teil. Mit zahlreichen Bildberichten in Zeitschriften wie der «Berliner Illustrierten Zeitung», der «Schweizer Illustrierten Zeitung» und «Atlantis», konnte er sich in der Folge als Fotoreporter etablieren. 1929/30 war er bei «Dephot» unter Vertrag. 1930 erschien sein erstes Buch «Durch Tibet und Turkistan». Im selben Jahr reiste er im Auftrag von «Dephot» und der «Münchner Illustrierten Zeitung» für acht Monate durch Indien. Seine Indien-Reportagen, insbesondere jene über Ghandi und die indische Unabhängigkeitsbewegung, machten ihn weltweit bekannt.
1931 flog Walter Bosshard im ersten Postflugzeug mit, welches die Mongolei und Mandschurei überflog. Im Auftrag der «Berliner Illustrierten Zeitung» nahm er zudem als Fotograf an der Arktis-Expedition mit dem Luftschiff Graf Zeppelin teil. Im selben Jahr begann er für die «Ullstein-Presse» aus China und der Mandschurei zu berichten.
Von 1933 bis 1939 nahm Walter Bosshard Wohnsitz in Peking. Seine ausgedehnten Reisen und Expeditionsteilnahmen führten ihn nach Tibet, in die Mongolei und durch China, wo zahlreiche Reportagen über den zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg und den innerchinesischen Machtkampf entstanden. 1938 gelangen ihm Aufnahmen von Mao Zedong in dessen Hauptquartier in Yenan.
Von 1939 bis 1941 war Walter Bosshard unter anderem für «Life», «Black Star», die «Zürcher Illustrierte» und die «Radio Zeitung» als Kriegsberichterstatter in Rumänien, der Türkei, Griechenland, Albanien und dem Nahen Osten unterwegs. Ab 1942 war er als Auslandkorrespondent für die «Neue Zürcher Zeitung» tätig und reiste erneut nach China, Indien und Ägypten, bevor er sich in Washington niederliess und sich dort am Aufbau einer NZZ-Zweigstelle beteiligte. Ab 1943 berichtete er aus den USA und setzte sich nach dem Krieg insbesondere mit den internationalen Konferenzen auseinander. 1946 beobachtete er die Kriegsverbrecherprozesse am Internationalen Militärgerichtshof in Tokyo. Kurz darauf liess sich Walter Bosshard erneut in Peking nieder und berichtete über den eskalierenden Bürgerkrieg in China. 1949 musste er China fluchtartig verlassen.
Ab 1950 war Walter Bosshard als Korrespondent im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien tätig. 1953 verunfallte er auf einer Reise in Korea. Wegen der Folgen dieses Unfalls und aus Altersgründen zog er sich aus dem Berufsleben zurück und setzte sich in Grimentz im Val d'Anniviers, wo er ein Chalet besass, und in Spanien zur Ruhe.
   
Fonds (nom, période) Bosshard, Walter (Nachlass),   Institution: Fotostiftung Schweiz
Fondo fotografico «Walter Bosshard - India»,   Institution: Museo delle Culture
   
Littérature primaire Bosshard, Walter: Durch Tibet und Turkistan. Reisen im unberührten Asien, Stuttgart 1930.
Bosshard, Walter: Indien kämpft! Das Buch der indischen Welt von heute, Stuttgart 1931.
Bosshard, Walter: Botanische Ergebnisse der deutschen Zentralasien-Expedition 1927-1928, Berlin 1932.
Helfer in der Ferne, in: Zürcher Illustrierte, 1935, 19. Juli, S. 902-903.
Bosshard, Walter: Kühles Grasland Mongolei, Berlin 1938.
Bosshard, Walter: Erlebte Weltgeschichte. Reisen und Begegnungen eines neutralen Berichterstatters im Weltkrieg 1939-1945, Zürich 1947.
Bosshard, Walter: Generale, Könige, Rebellen. Weltgefahr im Mittleren Osten, Zürich 1954.
Bosshard, Walter: Tuth. Geschichte aus dem Sudan, Zürich 1960.
Bosshard, Walter: Im goldenen Sand von Asswan, Zürich 1961.
Bosshard, Walter: L'India al tempo di Gandhi, Firenze, s.n. 2007.
   
Littérature secondaire Bosshard, Walter, in: Sikart, 2015, Stand Juli 2016, www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=12584126&lng=de .
Auer, Michèle; Auer, Michel: Encyclopédie internationale des photographes de 1839 à nos jours. Photographers encyclopedia international 1839 to the present, Hermance, Editions Camera obscura 1985/1992.
Fondation Suisse pour la photographie (Hg.): La photographie en Suisse. 1840 à nos jours, Bern, Benteli 1992.
Hürlimann, Annemarie: Bosshard, Walter, in: Historisches Lexikon der Schweiz HLS - Dictionnaire historique de la Suisse DHS - Dizionario storico della Svizzera DSS, 2003, Stand Juli 2016, www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D27243.php .
Koetzle, Hans-Michael: Das Lexikon der Fotografen. 1900 bis heute, München 2002.
Netzwerk Pressebildarchive (Hg.): Schweizer Pressefotografie. Einblick in die Archive, Zürich, Limmat Verlag 2016.
Pfrunder, Peter; Münzer, Verena; Hürlimann, Annemarie: Fernsicht. Walter Bosshard. Ein Pionier des modernen Photojournalismus, Bern 1997.
Platz, Hans-Peter; Jeck, Lothar: Augenzeuge Lothar Jeck, Basel, Basler Zeitung 1983.
Schweizerische Ethnologische Gesellschaft (Hg.): L'objectif subjectif. Collections de photographies ethno-historiques en Suisse. Das subjektive Objektiv. Sammlungen historisch-ethnographischer Photographien in der Schweiz, Bern, SEG 1997.
Schweizerische Stiftung für die Photographie (Hg.): Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute, Bern, Benteli 1992.
Schweizerische Stiftung für die Photographie (Hg.): Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute, Teufen, Niggli 1974.
Sütterlin, Georg: Bosshard, Walter, in: Fotostiftung Schweiz, Index der FotografInnen, Stand Juli 2016, www.fotostiftung.ch/de/archive-spezialsammlungen/index-der-fotografinnen/ .
   
Expositions individuelles 1997, Zürich, Schweizerische Stiftung für die Photographie, Fernsicht. Walter Bosshard - Ein Pionier des modernen Photojournalismus. Photographien 1927-1939.
1998, Lausanne, Musée de l'Elysée, Walter Bosshard. La distance et l'action.
2007, Lugano, Museo delle Culture, Walter Bosshard. L'India al tempo de Ghandi. Fotografie 1930 (mostra itinerante «Esovisioni»).
2013, Lecco, Palazzo delle Paure, Walter Bosshard. L'India al tempo de Ghandi. Fotografie 1930.
   
Expositions collectives 1974, Zürich, Schweizerische Stiftung für die Photographie, Kunsthaus Zürich, Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute (Wanderausstellung).
1988, Arles, Rencontres Internationales de la Photographie.
2018, Winterthur, Fotostiftung, Walter Bosshard / Robert Capa Wettlauf um China.
   
Auteur(e) Marc Herren
   
Date de modification 23.11.2017